
Steine kehren zurück: Ostsee-Projekt baut einen verlorenen Riff-Lebensraum neu auf
In der Eckernförder Bucht startet ein dreijähriges Restaurationsprojekt: Steine aus dem Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals sollen einen historischen Flachriff-Standort wiederbeleben – begleitet von Ökologie, Langzeitbeobachtung, Umweltbildung und lokaler Beteiligung.
Am 22. September 2026 startete unter Leitung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel das Projekt „Riffretter“. Es begleitet die Wiederherstellung eines historischen Steinriffs bei Waabs/Boknis Eck in der Eckernförder Bucht. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert das dreijährige Begleitprojekt bis August 2029 mit knapp 980.000 Euro.

Die Ausgangslage ist historisch: Über Jahrzehnte wurden natürliche Steine aus flachen Bereichen der Ostsee entnommen und für Bauzwecke genutzt. Dadurch verschwanden Hartsubstrate, auf denen Algen, Muscheln und andere Organismen siedeln und die Fischen Lebensraum bieten können. Für die neue Maßnahme sollen Steine und Blöcke, die beim Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals ausgehoben wurden, bis Ende 2026 wieder auf dem Meeresboden platziert werden.

Das Besondere ist die Begleitforschung. Forschende wollen nicht nur beobachten, welche Arten zurückkehren. Erprobt werden auch standardisierte Monitoringmethoden; passives akustisches Monitoring soll die Entwicklung von Fischpopulationen nicht-invasiv verfolgen. Zusätzlich untersucht das Projekt gesellschaftliche Akzeptanz und bindet Umweltbildung sowie Interessen von Tourismus, Tauch- und Wassersport ein.
Das Projekt versteht den Standort ausdrücklich als Lernfeld. Aus Standortwahl, Material, ökologischer Entwicklung und Erfolgskontrolle sollen Leitlinien entstehen, die zukünftige Riffrestaurationen in der Ostsee unterstützen können.
Was noch offen ist
Der neue Riffstandort ist noch im Aufbau. Dass Steinriffe grundsätzlich wertvolle Hartsubstrat-Lebensräume sind, ist gut begründet; wie stark und wie schnell sich Biodiversität und Fischgemeinschaften genau an diesem Standort erholen, muss das mehrjährige Monitoring erst zeigen. Aussagen über eine erfolgreiche Wiederherstellung sind deshalb zum jetzigen Zeitpunkt ein Projektziel und kein bereits gemessenes Ergebnis.
