
Papierbeschichtung: Neue Bindemittel sollen den CO₂-Fußabdruck um 20 bis 45 Prozent senken
BASF bringt in Ludwigshafen neue Varianten von Bindemitteln für Papierbeschichtungen auf den Markt. Laut Hersteller liegt ihr Product Carbon Footprint bis zum Werkstor je nach Produkt rund 20 bis 45 Prozent unter dem jeweiligen konventionellen Vergleichsprodukt.
Die neuen Dispersionen werden am BASF-Verbundstandort Ludwigshafen hergestellt und sind als sogenannte Drop-in-Lösung gedacht: Papierhersteller sollen sie einsetzen können, ohne ihre bestehenden Produktionsprozesse neu zu qualifizieren. Die niedrigeren cradle-to-gate-Werte entstehen laut BASF unter anderem durch Rohstoffe mit geringerem CO₂-Fußabdruck sowie erneuerbaren Strom und emissionsärmeren Dampf.
Wichtig für die Einordnung ist das Bilanzierungsprinzip. BASF nutzt einen Mass-Balance-Ansatz: Ein definierter Anteil konventioneller Rohstoffe oder Energie wird im Produktionsverbund durch Varianten mit geringerem Product Carbon Footprint ersetzt und dieser Anteil anschließend den entsprechenden rPCF-Produkten bilanziell zugeordnet. Die chemische Herstellung selbst bleibt unverändert.
Die zugrunde liegende Product-Carbon-Footprint-Methode von BASF wurde von TÜV Rheinland auf Konformität mit der Together-for-Sustainability-Methodik geprüft. Die TfS-Leitlinie für die Chemieindustrie wurde ebenfalls extern zertifiziert. Damit ist die Rechenmethodik nachvollziehbarer als eine reine Marketingbehauptung; die heute genannten 20 bis 45 Prozent für die einzelnen neuen Papierbindemittel stammen jedoch aus der Herstellerveröffentlichung.
Was noch offen ist
Die 20 bis 45 Prozent beziehen sich auf den Product Carbon Footprint von der Rohstoffgewinnung bis zum Werkstor und nicht auf den vollständigen Lebenszyklus des fertigen Papierprodukts. Eine unabhängige produktspezifische Lebenszyklusstudie der heute vorgestellten Bindemittel liegt UAP bislang nicht vor. Mass-Balance-Zuordnung bedeutet außerdem nicht, dass jedes einzelne Molekül eines verkauften Produkts physisch aus den emissionsärmeren Inputs stammt. UAP bewertet dies deshalb als nachvollziehbaren industriellen Fortschritt mit noch begrenzter unabhängiger Produktvalidierung.
